Klimaanlage als Heizung: Wann sich Heizen mit Split-Gerät lohnt
Fast jede moderne Split-Klimaanlage kann auch heizen, denn technisch ist sie eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Aus einer Kilowattstunde Strom macht sie drei bis fünf Kilowattstunden Wärme. Für einzelne Räume, die Übergangszeit und als Ersatz für Elektroheizungen ist das sehr günstig. Eine Zentralheizung für das ganze Haus ersetzt sie aber meist nicht. Dieser Ratgeber zeigt, wann Heizen mit der Klimaanlage sinnvoll ist und wann nicht.
Stand: Oktober 2026
Kurz gesagt: Fast jede moderne Split-Klimaanlage ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe und kann heizen. Aus 1 kWh Strom macht sie im Jahresschnitt 3 bis 5 kWh Wärme. Damit ist sie drei- bis fünfmal günstiger als Elektroheizungen wie Heizlüfter, Infrarotpaneele oder Nachtspeicheröfen. Ideal ist sie für einzelne Räume, die Übergangszeit und gut gedämmte Wohnungen. Eine Zentralheizung mit Warmwasser ersetzt sie meist nicht, und Förderungen für den Heizungstausch gibt es dafür in der Regel nicht.
Viele kaufen eine Klimaanlage für den Sommer und merken erst im Herbst: Das Gerät hat einen Heizmodus. Tatsächlich ist der Unterschied zwischen Klimaanlage und Wärmepumpe technisch gering. Beide transportieren Wärme mit einem Kältemittelkreislauf, nur in umgekehrter Richtung. Im Sommer schafft die Klimaanlage Wärme aus der Wohnung nach draußen, im Winter holt sie Wärme aus der Außenluft herein, selbst wenn es draußen unter null Grad hat.
Gerade in Wien, wo viele Altbauwohnungen noch mit Gasetagenheizungen, Gaskonvektoren oder Elektroöfen beheizt werden, stellt sich deshalb oft die Frage: Kann die neue Klimaanlage nicht gleich die Heizung übernehmen? Dieser Ratgeber gibt eine ehrliche Antwort.
So heizt eine Klimaanlage
Im Heizbetrieb arbeitet das Außengerät als Verdampfer: Das Kältemittel nimmt Wärme aus der Außenluft auf, auch bei Minusgraden. Der Kompressor verdichtet es, dadurch steigt die Temperatur stark an. Im Innengerät gibt das Kältemittel diese Wärme an die Raumluft ab, ein Ventilator verteilt sie im Raum.
Der Trick dabei: Der Strom wird nicht in Wärme umgewandelt wie bei einem Heizlüfter, sondern treibt nur den Kompressor an. Die eigentliche Wärme kommt aus der Umgebung. Deshalb liefert eine gute Anlage ein Vielfaches der eingesetzten Energie als Wärme.
Was SCOP und COP bedeuten
- COP (Leistungszahl) gibt an, wie viel Wärme das Gerät in einem bestimmten Betriebspunkt aus einer Kilowattstunde Strom macht, zum Beispiel bei 7 Grad Außentemperatur.
- SCOP (saisonale Leistungszahl) ist der Durchschnitt über die ganze Heizsaison, gerechnet nach einer europäischen Norm. Er ist für den Vergleich der wichtigere Wert.
Gute Split-Geräte erreichen einen SCOP von 4 bis 5. Das heißt: Aus 1 kWh Strom werden im Jahresschnitt 4 bis 5 kWh Wärme. Ein Heizlüfter hat einen Wert von genau 1.
Bei Kälte sinkt die Effizienz
Je kälter es draußen ist, desto mehr muss der Kompressor arbeiten. Bei minus 10 Grad liefert ein Gerät weniger Wärme und braucht dafür mehr Strom als bei plus 7 Grad. Viele aktuelle Split-Geräte heizen laut Hersteller bis minus 15 Grad Außentemperatur, spezielle Heiz-Modelle bis minus 25 Grad. In Wien, im Wiener Becken und im Burgenland sind solche Temperaturen selten, in höheren Lagen Niederösterreichs wie im Waldviertel oder in den Voralpen häufiger.
Außerdem muss das Außengerät bei feuchter Kälte regelmäßig abtauen. In dieser Zeit, meist wenige Minuten, kommt keine Wärme in den Raum.
Was kostet Heizen mit der Klimaanlage?
Ein Rechenbeispiel für ein Wohnzimmer mit 30 m² in einer Wiener Altbauwohnung. Die Werte sind Annahmen zur Orientierung, keine Garantie.
- Wärmebedarf des Raums in der Heizsaison: rund 3.000 kWh.
- Mit Split-Gerät (SCOP 4): 3.000 ÷ 4 = 750 kWh Strom. Bei 28 Cent je kWh rund 210 Euro im Jahr.
- Mit Heizlüfter, Infrarotpaneel oder Nachtspeicherofen: 3.000 kWh Strom, bei 28 Cent rund 840 Euro im Jahr.
Gegenüber einer Elektroheizung sparen Sie also rund drei Viertel der Heizkosten. Wie es im Vergleich zu Gas oder Fernwärme aussieht, hängt stark von Ihren Tarifen ab. Als Faustregel gilt: Bei einem SCOP von 4 kostet eine Kilowattstunde Wärme aus der Klimaanlage etwa ein Viertel Ihres Strompreises, bei 28 Cent also rund 7 Cent. Vergleichen Sie das mit dem, was Sie heute für eine Kilowattstunde Wärme aus Gas oder Fernwärme zahlen, inklusive Netzkosten und Abgaben.
Mit einer eigenen PV-Anlage sinken die Kosten weiter, vor allem in der Übergangszeit im Frühling und Herbst, wenn tagsüber Sonne und Heizbedarf zusammenfallen. Mehr dazu im Ratgeber Klimaanlage mit PV-Strom betreiben.
Wann Heizen mit der Klimaanlage sinnvoll ist
Gut geeignet
- Übergangszeit: Im Herbst und Frühling, wenn die Zentralheizung noch nicht oder nicht mehr laufen soll, wärmt die Klimaanlage schnell und günstig einzelne Räume.
- Ersatz für Elektroheizungen: Wer bisher mit Heizlüftern, Ölradiatoren, Infrarotpaneelen oder Nachtspeicheröfen heizt, spart mit einer Split-Anlage viel Geld.
- Einzelne Räume: Ein Wintergarten, ein ausgebautes Dachgeschoß, ein Büro im Keller oder ein Zimmer, das die Zentralheizung schlecht erreicht.
- Gut gedämmte Wohnungen: In einer sanierten Wohnung mit wenigen Räumen und niedrigem Wärmebedarf kann eine Multisplit-Anlage die Hauptheizung sein.
- Ergänzung zur Gasheizung: Wer die Gasheizung behält, kann mit der Klimaanlage an milden Tagen Gas sparen.
Weniger geeignet
- Ganzes Haus mit vielen Räumen: Jeder Raum braucht ein eigenes Innengerät. Bäder, Flure und Nebenräume bleiben ohne Gerät kalt.
- Warmwasser: Eine Klimaanlage macht kein Warmwasser. Dafür braucht es einen Boiler, eine Warmwasser-Wärmepumpe oder eine andere Lösung.
- Schlecht gedämmte Häuser in kalten Lagen: Bei hohem Wärmebedarf und vielen Frosttagen stoßen Luft-Luft-Geräte an ihre Grenzen.
- Wenn Sie Zugluft nicht mögen: Warme Luft wird eingeblasen. Strahlungswärme von Heizkörpern oder Fußbodenheizung empfinden viele als angenehmer.
Klimaanlage oder Luft-Wasser-Wärmepumpe?
Wer die Heizung grundsätzlich tauschen will, sollte beide Systeme vergleichen:
| Split-Klimaanlage (Luft-Luft) | Luft-Wasser-Wärmepumpe | |
|---|---|---|
| Wärmeverteilung | warme Luft über Innengeräte | Heizkörper oder Fußbodenheizung |
| Warmwasser | nein | ja |
| Kühlen im Sommer | ja, sehr gut | nur eingeschränkt, z. B. über Fußbodenheizung |
| Kosten | ab rund 2.200 € je Raum | meist deutlich über 15.000 € für ein Einfamilienhaus |
| Förderung Heizungstausch | in der Regel nein | ja, von Bund und Ländern |
| Geeignet für | einzelne Räume, Wohnungen, Ergänzung | ganzes Haus, Ersatz der Zentralheizung |
Für ein Einfamilienhaus, in dem eine alte Öl- oder Gasheizung ersetzt werden soll, ist meist eine Luft-Wasser-Wärmepumpe die bessere Lösung. Sie heizt alle Räume, macht Warmwasser und wird gefördert. Eine zusätzliche Split-Anlage für die Schlafzimmer im Sommer kann trotzdem sinnvoll sein.
Für eine Wohnung, in der keine Zentralheizung möglich oder geplant ist, etwa im Wiener Altbau mit Einzelöfen, kann eine Multisplit-Anlage eine gute Heizlösung sein, ergänzt um einen elektrischen Warmwasserspeicher.
Klimaanlage statt Gasetagenheizung im Wiener Altbau?
In Wien heizen noch viele Altbauwohnungen mit einer Gasetagenheizung oder mit Gaskonvektoren. Wer weg vom Gas will, hat in der Wohnung oft wenige Möglichkeiten: Fernwärme ist nicht überall verfügbar, eine Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht Platz für ein Außengerät mit größerer Leistung und Zustimmungen im Haus.
Eine Multisplit-Klimaanlage kann hier eine Lösung sein, wenn einige Punkte passen:
- Wenige, gut zusammenhängende Räume: Eine Wohnung mit Wohnzimmer, zwei Zimmern und Küche lässt sich mit drei bis vier Innengeräten beheizen.
- Warmwasser anders gelöst: Etwa über einen elektrischen Warmwasserspeicher oder eine kleine Warmwasser-Wärmepumpe. Die Gastherme kann dann stillgelegt werden.
- Bad: Für das Badezimmer braucht es meist eine eigene Lösung, zum Beispiel einen elektrischen Handtuchheizkörper.
- Zustimmung im Haus: Für das Außengerät brauchen Sie wie beim Kühlen die Zustimmung von Vermieter oder Miteigentümern, siehe Klimaanlage in Miet- und Eigentumswohnung.
- Wärmebedarf: In einer unsanierten Wohnung mit Einfachfenstern und hohen Räumen ist der Wärmebedarf hoch. Ein Fenstertausch oder Kastenfenster-Sanierung kann sich zuerst lohnen.
Ob sich der Umstieg rechnet, hängt von Ihrer Wohnung, den Energiepreisen und den Kosten für die Stilllegung der Gastherme ab. Lassen Sie den Wärmebedarf von einem Fachbetrieb berechnen und vergleichen Sie mit Fernwärme, falls diese im Haus möglich ist.
Häufige Fehler beim Heizen mit der Klimaanlage
- Gerät nur nach Kühlleistung ausgewählt: Für den Heizbetrieb zählen SCOP und Heizleistung bei Kälte.
- Innengerät an der falschen Stelle: Unter der Decke über einem Sofa bläst es warme Luft dorthin, wo sie ohnehin hinsteigt.
- Zu kleine Geräte für die ganze Wohnung: Was im Sommer reicht, kann im Jänner zu wenig sein.
- Kondensat des Außengeräts nicht bedacht: Abtauwasser auf dem Gehsteig oder dem Balkon des Nachbarn kann bei Frost gefährlich werden.
Förderungen
Für das Heizen mit der Klimaanlage gibt es in der Regel keine Förderung:
- Der Kesseltausch der Bundes-Sanierungsoffensive 2026 förderte nur Heizsysteme mit wassergeführter Wärmeverteilung, also zum Beispiel Luft-Wasser-Wärmepumpen. Laut Sanierungsoffensive waren die Mittel für 2026 seit 10. Juli 2026 ausgeschöpft.
- Die Landesförderungen in Niederösterreich und im Burgenland betreffen ebenfalls den Heizungstausch mit wassergeführten Systemen, thermische Solaranlagen oder Holzheizungen.
- Der Handwerkerbonus des Bundes ist seit 28. Februar 2026 geschlossen.
Prüfen Sie vor dem Auftrag die aktuellen Bedingungen, Förderprogramme ändern sich jedes Jahr.
Tipps für effizientes Heizen mit der Klimaanlage
- Gerät mit gutem Heizwert wählen: Achten Sie im Datenblatt auf den SCOP und auf die Heizleistung bei minus 7 Grad, nicht nur auf die Kühlleistung.
- Innengerät richtig platzieren: Warme Luft steigt nach oben. Ein Truhengerät am Boden verteilt Wärme oft besser als ein Wandgerät unter der Decke.
- Konstant heizen statt ständig ein- und ausschalten: Inverter-Geräte arbeiten bei gleichmäßiger Leistung am effizientesten.
- Temperatur nicht zu hoch: 20 bis 21 Grad im Wohnzimmer, weniger im Schlafzimmer.
- Filter sauber halten: Verstaubte Filter senken die Leistung und erhöhen den Stromverbrauch.
- Kondensat im Winter beachten: Beim Abtauen entsteht am Außengerät Wasser, das bei Frost gefrieren kann. Der Fachbetrieb plant den Ablauf entsprechend.
- Jährliche Wartung: Wer das Gerät das ganze Jahr nutzt, sollte es mindestens einmal jährlich vom Fachbetrieb prüfen lassen.
Den passenden Betrieb finden
Ein guter Betrieb für Heizungs- und Klimatechnik berät Sie, ob eine Split-Anlage oder eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für Ihr Haus oder Ihre Wohnung sinnvoller ist, und berechnet Heiz- und Kühllast. Geprüfte Heizungs- und Klimatechniker finden Sie auf Handwerk24, zum Beispiel in Wien, in Niederösterreich und im Burgenland. Welche Bauart zu Ihnen passt, lesen Sie im Ratgeber Split, Multisplit oder Monoblock.
Fazit
Eine Split-Klimaanlage ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe und heizt effizient: Aus 1 kWh Strom werden im Jahresschnitt 3 bis 5 kWh Wärme. Gegenüber Elektroheizungen sparen Sie damit rund drei Viertel der Kosten. Ideal ist sie für einzelne Räume, die Übergangszeit und gut gedämmte Wohnungen. Für ein ganzes Haus mit Warmwasser ist meist eine geförderte Luft-Wasser-Wärmepumpe die bessere Wahl. Wer beides will, kühle Sommer und günstige Wärme, kann beide Systeme kombinieren.
Alle Werte sind Richtwerte und Annahmen ohne Gewähr (Stand Oktober 2026). Maßgeblich sind das Datenblatt des Herstellers, Ihre Energietarife und die aktuellen Förderbedingungen.
Häufige Fragen
Kann ich mit einer Klimaanlage heizen?
Ja, fast alle modernen Split-Klimaanlagen können auch heizen, weil sie technisch Luft-Luft-Wärmepumpen sind. Sie holen Wärme aus der Außenluft und geben sie im Raum ab. Aus einer Kilowattstunde Strom entstehen dabei je nach Gerät und Außentemperatur drei bis fünf Kilowattstunden Wärme.
Ist Heizen mit der Klimaanlage günstig?
Im Vergleich zu Elektroheizungen ja, und zwar deutlich. Ein Heizlüfter oder Nachtspeicherofen macht aus einer Kilowattstunde Strom eine Kilowattstunde Wärme, eine gute Split-Anlage im Jahresschnitt drei bis fünf. Im Vergleich zu Gas hängt es von den aktuellen Preisen und vom Gerät ab.
Bis zu welcher Außentemperatur heizt eine Klimaanlage?
Viele aktuelle Split-Geräte heizen laut Hersteller bis minus 15 Grad, spezielle Heiz-Modelle bis minus 25 Grad Außentemperatur. Je kälter es ist, desto geringer werden aber Leistung und Effizienz. Das genaue Einsatzgebiet steht im Datenblatt der jeweiligen Serie.
Kann eine Klimaanlage die Zentralheizung ersetzen?
Meist nicht vollständig. Die Wärme kommt nur in den Räumen mit Innengerät an, Bäder und Nebenräume bleiben kalt, und Warmwasser macht eine Klimaanlage nicht. In gut gedämmten Wohnungen mit wenigen Räumen kann sie aber die Hauptheizung sein, wenn Bad und Warmwasser anders gelöst sind.
Gibt es eine Förderung, wenn ich mit der Klimaanlage heize?
In der Regel nein. Die Förderungen für den Heizungstausch von Bund und Ländern verlangen meist ein Heizsystem mit wassergeführter Wärmeverteilung, also etwa eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Heizkörpern oder Fußbodenheizung. Luft-Luft-Klimageräte fallen nicht darunter.
Ist Heizen mit der Klimaanlage gesund?
Ja, bei richtiger Einstellung und regelmäßiger Wartung. Die Geräte blasen warme Luft in den Raum, was manche als Zugluft empfinden. Ein gut platziertes Innengerät, niedrige Lüfterstufe und saubere Filter helfen. Weil die Luft im Winter trocken sein kann, lohnt sich ein Blick auf die Luftfeuchtigkeit.
Klima- und Kältetechniker in Wien
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Quellen
- klimaaktiv: Klimaanlagen und Wärmepumpen
- Sanierungsoffensive (BMLUK/KPC): Informationsblatt Kesseltausch 2026 Ein-/Zweifamilienhaus
- Sanierungsoffensive: Budget-Information 2026
- eNu: Landesförderung für den Heizungstausch in Niederösterreich
- Land Burgenland: Richtlinie 2026 Förderung von nachhaltigen Technologien
- Stadt Wien, MA 37: Merkblatt Technische Anlagen, Klima-, Lüftungsanlagen, Wärmepumpen
Alle Angaben ohne Gewähr. Förderungen und Preise ändern sich laufend, bitte prüfen Sie die aktuellen Bedingungen bei der jeweiligen Stelle.